Was verstehst du unter Freiheit und wie erlangt man sie?
Die meisten Menschen verstehen unter Freiheit tun und lassen zu können was man will, ungebunden zu sein oder keine Verpflichtungen zu haben. Das ist die äussere Freiheit. Wenn ich von Freiheit spreche, meine ich die innere Freiheit. Gegen die äussere Freiheit ist nichts einzuwenden. Doch führt sie in jedem Fall auch zu Zufriedenheit und Glück? Eine äussere Freiheit ohne innere kann keine sein. Jedoch kann eine innere sehr gut ohne äussere auskommen. Jemand kann im Gefägnis sitzen und trotzdem frei sein. Was meine ich damit?
Gewöhnlich sind wir Menschen mehr oder weniger gut angepasst an die Erwartungen unserer Mitmenschen. Wir kopieren Verhalten und Meinungen Anderer und erhalten dafür eine Gruppenidentität. Diese wiederum hilft uns zu glauben, dass wir sicher und nicht alleine sind. Diesen Glauben brauchen wir, da wir im Innersten ahnen, dass das Leben eben nicht so ist.
Von klein an haben wir gelernt uns anzupassen und so Wohlwollen, Beachtung oder sogar Liebe zu erheischen. Als Erwachsener ist uns diese Überlebensstrategie geblieben und meistens unbewusst. Wir sprechen dann von Konditionierungen. Sie sind sehr machtvoll und degradieren uns zu einer Maschine. Da ist ein Signal und die Körper-Geist-Maschine spuhlt zum x-ten mal das gleiche Verhalten ab. Im Nachhinein fragen wir uns dann, wie wir das nur wieder tun konnten. Du wolltest dich doch ganz anders verhalten. Kennst du solche Situationen in deinem Leben?
Ein solches Leben ist nicht frei. Ein solches Leben ist geprägt von tief einprogrammierten Verhalten, Sprechen und Denken. Du hast dann zwar das Gefühl alles machen und lassen zu können was du willst, aber eigentlich folgst du nur inneren, kopierten Mustern. Am besten erkennst du solche Muster, wenn du nach immer mehr äusserer Freiheit strebst, Gegenstände und Reichtum anhäufst und dich trotzdem innerlich leer und ausgelaugt fühlst. Dann gibt dir die Freiheit nicht das was sie verspricht.
Für die innere Freiheit zu erlangen musst den Mut aufbringen all das sterben zu lassen was du bislang dachtest das du bist. Deine Konditionierungen haben nämlich ein dichtes Netz von Charaktereigenschaften um dein authentischen Wesen gewebt. Mit diesen wirkst du nach aussen und fälschlicherweise identifizierst du dich sogar noch mit ihnen. Da es alle Anderen um dich herum auch so tun, fällt dir das soweit auch nicht auf.
Erst wiederholte Krisen und Tiefpunkte in deinem Leben lassen dich an der bisherigen Lebensstrategie zweifeln. Erst ein tiefes Gefühl der Sinnlosigkeit lässt dich nach neuen Möglichkeiten suchen. Du gehörst zu diesen Zweflern sonst würdest du diese Zeilen gar nicht lesen. Leider gibt es immer noch viel zu viele Menschen die nicht zweifeln, sich als Opfer der Umstände sehen und durch ihre Lebensentäuschung wiederum zu Tätern werden.
Die innere Freiheit kannst du erreichen indum du dir als erstes bewusst wirst, dass es eine solche überhaupt gibt. Mit dieser Erkenntnis wird es dir möglich sie zu erkennen und zwar wenn sie da ist und wenn sie nicht da ist. Das ist eine Frage der Bewusstheit und deren Schulung praktizierst du durch Meditation. Als zweites erkennst du ein Signal welches ein konditioniertes Verhalten normalerweise auslöst. Aber durch das Erkennen kannst du innehalten, dem Impuls für einen Augenblick nicht nachgeben. Und als drittes kannst du neue Verhaltens-, Sprech- oder Denkweisen ausprobieren.
Dies geht einher mit dem Prozess "charakterlos" zu werden. Ich brauche dieses Wort bewusst um dir aufzuzeigen wie gross unsere Abwehr und Ängste sind um unseren Charakter abzulegen. Meistens hast du gelernt deinen Charakter auszubilden, zu verfeinern und zu polieren. Diese Maske wird dir aber nicht zu deinem Glück verhelfen. Wenn dich nämlich jemand liebt, wird diese Liebe nicht bis zu dir dringen können. Du wirst unerfüllt und unglücklich bleiben und gleichzeitig Angst haben deine wahre Natur zu zeigen, denn dann würdest du auch noch diese falsche Zuneigung verlieren.
Hinter deinem Charkater ist ein grosser Schatz verborgen, der Schatz deines Selbst. In dem Masse wie du dein Selbst lebst, dringt die allgegenwärtige Liebe bis zu dir und erfüllt dein Leben mit Sinn. Du kannst dir selber ausmalen was das für jedes Individuum bedeutet. Freiheit ist die Freiheit sich selbst zu sein.
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Zuletzt aktualisiert am 2011-11-10 von Satyam Ahlaad.

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Kommentar von joe | 2011-11-10
Dem hier gesagten kann ich nur beipflichten. Leider gibt es hier keine Hinweise fuer eine brauchbare Anti-Konditionierung. Ich selber geh oft schon nicht mehr auf die Signale ein. Man wird dann schnell als lahm oder stumpfsinnig abgeschrieben, aber das ist besser als ein Hundeleben zu fuehren - an Hunden hat man das Konditionierungskonzept zuerst beschrieben (laut wikipedia). Ich hab zwar dann die Konditionierungs-Freiheit gewonnen, aber nicht die Freiheit, die in diesem Artikel beschrieben wird, die innere Freiheit.
Das interessante ist aber, das man diese innere Freiheit durchaus geniessen kann, wenn man fuer sich allein ist. Oder in meinem Fall auch, wenn ich mit einem Bruder "abrulen" kann. Menschen ohne solche "speziellen" Bezugspersonen muessen eigentlich denken, dass das Problem der Mensch an sich ist und das da nicht noch was ganz anderes dahinter steckt. Oder sie nehmen faelschlicher Weise an - wie leider auch in diesem Artikel angenommen - das sich Konditionierung durch das "Belohnungszentrum" einschleichen kann. Das gibt es auch, aber die Konditionierung, die einen zum Unmenschen werden laesst, belohnt einen nicht, sie ist nur eine Notwendigkeit fuer die eigene Existenz. Es ist auch das Ursache-Wirkungs-Prinzip hier komplett vertauscht: man hat nicht die innere Freiheit verloren, weil man der Konditionierung erlegen ist. Nein, weil man keine innere Freiheit hat (situationsbezogen, siehe unten), muss man sich der Konditionierung beugen - um nicht komplett als hirnamputierter zu wirken (was ich, wie bereits erwaehnt, mittlerweile vorziehe, aber die Wahl hat man kaum wenn man jung ist, da einem das dann alles nicht so deutlich ist und Konditionierung die erste Eingebung ist).
Als Ausnahme muss ich Oscar aus der "Blechtrommel" wuerdigen - dort hat sich sein Dickkopf der Konditionierung gesperrt. Zuvor hatte sich die innere Freiheit zur Umwelt fuer ihn gesperrt, da er absolut nicht mit ihren Bedingungen einverstanden war. Die Konditionierung wurde hier mit dem Wachstum des Menschen gleichgesetzt, das heisst es bedarf schon eines uebernatuerlichen Kraftakts, sich diesem zu sperren. Das lindert doch unser schlechtes Gewissen, warum wir damals so leicht zu haben waren, oder? Ich spreche hier natuerlich von Trauma-bedingter Konditionierung. Die SS-Konditionierung ist dagen viel einfacher nicht anzunehmen, Oskar hat diese nur so nebenbei ins laecherliche gezogen. Das find ich gut, das Grass die alltaegliche Konditionierung in ein so schlechtes Licht gerueckt hat - verdientermassen.
Innere Freiheit kann z.B. durch Traumata - am haufigsten Tod eines Verwandten oder auch Vernachlaessigung (die "Nicht-Erziehung") - gesperrt sein. Trauma sollte man nicht gleich mit Horrorgeschichten gleichsetzen - z.B. einen unueberwindlicher Gegensatz zwischen sich und der Umwelt wie im Fall von Oskar sollte man dazu zaehlen. Besonders wenn man sich weder einfach zurueckziehen noch einfach zurueckschlagen kann, soll sich ein Trauma einstellen - hab ich mal aufgeschappt :)
Die Sperre der inneren Freiheit tritt nur bestimmten Menschen gegenueber ein (ein Spezialfall sind "alle Menschen"; ob "kein Mensch" ein Spezialfall ist, kann ich nicht sagen, zumindest waere es gut, wenn man es dahingehend manipulieren KOENNTE). Ich glaube das sind die selben Wirkungsmechanismen wie selektiver Mutismus: Kinder sprechen einfach mit bestimmten Menschen kein Wort, und anderen Menschen gegenueber (z.b. nur der Familie gegenueber) lassen sie Mick Jagger raushaengen. Ich spreche hier von "Kindern", weil der Konditionierungsdruck wird immer groesser so dass sie bald ein wuerdiges Mitglied der Gesellschaft werden, aber "privat" durchaus neue Songs aufnehmen..
Diese Selektivitaet kann sich auch anders auspraegen - im Fall von Michael Jackson will ich nur an seine Buehnenauftritte und den komischen Interviews erinnern. Es schein aber immer diese Selektivitaet zu geben - im spezialfall wird alles selektiert, was natuerlich fuer den betroffenen Menschen erkenntnistheoretisch die Wahrheit verbirgt und dann zu falschen Schluessen fuehren kann.
Wer ein bisschen Intelligenz hat, denkt sich als konditionierter sowieso nur "was muss ich hier nur miterleben". Ich nehme mal an, das das so ist, vom Rest der Leserschaft muss ich mich nun verabschieden, ich kann hier nur meine Psyche nachvollziehen. Ich glaube auch nicht, dass sehr intelligente Menschen die Muehlen dieser Selektivitaet beherrschen koennen- mein Gott die Wissenschaft hat dazu bisher noch rein gar nix brauchbares herausgefunden. Der Standardslogan "das beste draus machen" sag nicht viel mehr aus als "wenn du keine innere Freiheit hast, dann solltest du dich nicht plagen, diese jemals wieder zuerlangen, sondern hol erstmal soviel raus wie moeglich". Denn eines ist klar: wenn man die innere Freiheit hat, macht man automatisch das beste draus, dann brauch man solche Sprueche nicht. Wer aufmerksam den Inhalten englischer Songs zuhoert, wird feststellen, dass dieser Slogan sich sehr gut verkauft und inzwischen salonfaehig ist (mit "inzwischen" mein ich: damals war man noch nicht im Individualismuszeitalter, man hatte dafuer kein Gespuer). Im Grunde hab ich auch nix dagen, allerdings beansprucht diese Message immer eine hoehere Wahrheit zu sein - sie ist nur eine pragmatische Vorgehensweise, und wie bei Zigarettenschachteln sollte man eine Warnhinweis am Ende des Songs einspielen : "Du koenntest dich fuer immer verlieren". Letztendlich bewirkt es naemlich eine Beschleunigung der Konditionierung nur um Lebenseffekte (ich nenn es mal so abwertend) zu erhaschen. Es ist aber auch teilweise entschultbar, da es wirklich keine brauchbaren Alternativen gibt, man man nich ewig ein Philosoph bleiben will.
Zuviele Absaetze, zu viele Gedanken, ich versuch meine offenen Fragen mal zusammenzufassen, vielleicht kann die jemand aus dem Intellekt oder aus Lebenserfahrung heraus bebloggen:
(1) woran richtet sich die Selektivitaet aus? Steht die "alle"-Selektivitaet fuer schwerere Trauma?
(2) kann man die Selektivitaet als Betroffener umgehen (auf "0" druecken)? Oder muss man sich etwa mit seinen eigenen Problemen auseinandersetzen, die soweit zurueckliegen, dass man sich kaum mehr dran erinnern kann (das Unterbewusstsein ausgenommen..)
(3) angenommen, man koennte die Selektivitaet umgehen (eine Droge, oder privatbezahlte Gehirnoperation..). Da einem dann definitionsgemaess die innere Freiheit in allen Situationen zur Verfuegung steht, konnte es sich doch eigenlich vorher nur um ein unoptimalen "Denkfehler" (im Gegensatz zu einer begruendbaren Vorgehensweise) unseres Gehirns gehandelt haben, uns diese zu verweigern. "Unoptimal" in Bezug auf die evolutionstechnische Vermehrung, die geringer ausfallen duerfte (oder doch nicht?). Und ich will mich hier nur auf einen um Jahrzehnte dem eigentlichen Trauma folgendem Zeitpunkt beziehen, wo also Oskarchen mit seiner Familie schon lange nix mehr am Hut hatte (das waren doch Familienprobleme?). Sollte es sich wirlich um einen gewaltigen Denkfehler handeln (unser riesiges Gehirn ist halt evolutionstechnisch nicht so alt..), waere das ein ganz schoener Hoffnungsschimmer. Da brauchte man nur noch einen entsprechenden Trick (und bitte keine Gehirnoperation), oder nicht? Zum Beispiel ein Identitaetstrick.
(4) es schien mir, das Oskar durch seine Verweigerung die innere Freiheit unbedingt (=ohne Bedingung =in allen Situation) bewahrt hat. Das waere eine interessante Tatsache. Er hatte anschliessend nur das gemacht, was er wollte, als haette er nie ein Trauma gehabt, oder wie? Kann mir das jemand besser deuten?